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Cybersicherheit ist keine IT-Frage mehr

21. April 2026 · Gerhard Müller

Cybersicherheit ist keine IT-Frage mehr

Cybersicherheit ist keine IT-Frage mehr. Sie ist organisationsstrategische Pflicht.

Heute durfte ich / Caritas-Netzwerk IT e. V. beim Fachtag Cybersicherheit in der Sozialwirtschaft im Futurum in Stuttgart die Keynote halten: “Cybersicherheit als organisationsstrategische Aufgabe”.

Die Zahlen sind drastisch: weltweit 10,5 Billionen US-Dollar Schaden pro Jahr – die drittgrößte Volkswirtschaft nach USA und China. Deutschland: 202 Milliarden Euro, ca. 4.500 Euro pro Erwerbstätigem. Das BSI meldet 119 neue Schwachstellen täglich. Und seit KI-Modelle Schwachstellen in existierendem Code in Minuten finden – das BSI warnt -, verschiebt sich die Lage weiter zulasten der Verteidiger.

Warum trifft es die Sozialwirtschaft so hart? Sensible Daten, knappe Budgets, dezentrale Strukturen. Die Caritas München und Freising hatte 2022 rund 23 Mio. Euro Schaden und 120 Mio. Liquiditätslücke – der Gang zur Landeskirche war nötig, um Gehälter zahlen zu können. Ende 2025 traf es den Caritasverband Dinslaken und Wesel. Die Kollegen räumen bis heute auf.

Meine Kernthesen: IT ist das Nervensystem jeder Organisation, nicht mehr bloß Werkzeug. Digitalisierung mit KI ist die vierte Kulturtechnik nach Lesen, Schreiben, Rechnen – ohne sichere IT geht sie nicht. NIS-2 ist ein guter Mindeststandard, aber die Refinanzierung hinkt dramatisch hinterher. Cybersicherheit ist Vorhalteleistung wie Feuerwehr. Caritas, Diakonie und BAGFW müssen mit BSI, BMG und Kostenträgern politisch deutlich lauter werden.

Was hilft sofort: MFA. Passwortmanager. Getestete 3-2-1-Backups mit Offline-Kopie. Netzwerksegmentierung. Notfallkontakte auf Papier. Awareness als Dauerprozess. Und jährlich eine Tabletop-Übung – die emotionale Betroffenheit ersetzt kein Konzeptpapier.

Mein herzlicher Dank geht an Dr. Robert Bachert für die eröffnenden Worte und die geistliche Rahmung aus Psalm 102. An Bernd Augustin und Andreas Lingk (BruderhausDiakonie) für zwei sehr ehrliche Praxiserzählungen mit allen bitteren Lektionen. An Alexander Schmidt-Fischer (Diakonie Stetten e.V.), der mit einer realen Notfallübung (Rechenzentrum aus, Grill an) mehr bewegt hat als zwei Jahre Überzeugungsarbeit. An Maren Sindlinger und Viktor Siller (SVA System Vertrieb Alexander GmbH) für die Einblicke in Darknet und Hacker-Mindset. An Johannes Vakalis & Kollegen (Ecclesia Gruppe): Cyberversicherung ist kein Geldautomat, sondern strategisches Werkzeug – Resilienz fast immer der bessere erste Euro. An Joel Sprenger (SoSafe) für die Erinnerung, dass Awareness kein Modul ist, sondern Kultur. Und an Stefan Bauer für die kluge Abbindung: Technik lässt sich outsourcen, Verantwortung nicht.

Großer Dank an die Diakonie Württemberg für Einladung und ausgezeichnete Organisation – spürbar: Hier wissen Menschen, warum sie da sind, und gehen das Thema gemeinsam an.

Gemeinsam. Weil es alleine niemand schafft.

↓ Folien meiner Keynote

Anhänge


Dieser Beitrag ist am 21. April 2026 auch auf LinkedIn erschienen.

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