
Digitale Souveränität ≠ alles selbst machen. Sondern die Wahl haben.
Heute durfte ich bei der Landesversammlung des Verband Beratender Ingenieure VBI Landesverband Bayern in der M8 Eventfactory in München einen Impulsvortrag halten: „Digitale Souveränität – Handlungsfähig bleiben: Warum Optionen die Währung der digitalen Zukunft sind.”
Herzlichen Dank an Axel Künzinger und den VBI für die Einladung und den wunderbaren Rahmen, sowie an meine Co-Referenten Oliver Doogs (EITCO) mit dem „Bauplan zur digitalen Souveränität” und Dr.-Ing. Markus Hennecke (Bauform eG) mit der spannenden Frage, ob Datengenossenschaften eine Antwort auf den KI-Einsatz in Ingenieurdienstleistungen sein können. Drei Perspektiven, ein gemeinsames Anliegen.
Meine Kernbotschaften:
🔍 Der Realitätscheck ist ernüchternd. 70 % des europäischen Cloud-Markts liegen bei drei US-Anbietern. 96 % der deutschen Unternehmen sind abhängig von US- oder China-Technologie. Nur 4 % wären dauerhaft überlebensfähig ohne diese Digitalimporte. Und der US Cloud Act erlaubt den Zugriff auf unsere Daten, egal wo der Server steht.
⚡ Der Kill-Switch ist real. Microsoft hat der Amsterdam Trade Bank den Zugang gesperrt → Insolvenz. Dem Internationalen Strafgerichtshof die E-Mail abgeschaltet. Nayara Energy in Indien komplett stillgelegt → 6.500 Tankstellen, eine Woche lang. Wer die Infrastruktur kontrolliert, hat die Macht.
💰 Abhängigkeit hat einen Preis. Die Bayerische Staatskanzlei: Microsoft-Kosten von 10 auf 90 Mio. EUR. VMware nach der Broadcom-Übernahme: +800 bis +1500 % Preisanstieg. Die Frage ist nicht, ob wir uns Souveränität leisten können. Die Frage ist, ob wir uns Abhängigkeit leisten können.
🛡️ Die entscheidende Frage ist nicht „Wer betreibt?“, sondern „Kann ich wechseln, wenn ich muss?” 83 % der Entscheider halten eine Cloud-Sperrung für realistisch, aber nur 57 % haben eine Exit-Strategie.
🌍 Open Source funktioniert. Schleswig-Holstein hat 44.000 Postfächer migriert und spart 15 Mio. EUR pro Jahr. Die französische Gendarmerie arbeitet seit 18 Jahren auf Linux. Und Frankreich plant 2026 die Umstellung aller Ministerien auf Open-Source-Desktops für potenziell 2,5 Mio. Arbeitsplätze. ODF wird im Deutschland-Stack Pflicht, Open Source bei der Beschaffung Standard.
🏗️ Für Ingenieurbüros heißt das ganz konkret: Autodesk hat über 50 % BIM-Marktanteil und nur noch Abo-Modelle. openBIM und IFC als offene Standards sind der Ausweg. Und Initiativen wie die Bauform eG zeigen, dass das Genossenschaftsmodell à la DATEV auch in der Bauwirtschaft funktionieren kann.
Digitale Souveränität ist kein protektionistischer Rückzug. Sie ist professionelles Risikomanagement. Wer keine Alternativen hat, wird erpressbar. Wer Optionen hat, bleibt handlungsfähig.
Anbei die Folien. Feedback gerne!
#DigitaleSouveränität #OpenSource
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Dieser Beitrag ist am 16. April 2026 auch auf LinkedIn erschienen.